Rezensionen
(5)

Michael Kastner

Etwas kritischerer Umgang mit dem Werk hätte der Erinnerung gut getan

Vorneweg: Ich bin das erste mal mit 14 auf die damals in Deutschland erhältliche Doppel-LP, die es als Zusammenschnitt der beiden Konzerte gab, gestoßen. Ein Bekannter hatte sie mir vorgespielt und ich habe sie mir auf Kassette kopiert. Viel später habe ich mir dann die ziemlich zusammengeschnittene CD gekauft. Das war damals meine Initialzündung für Joan Baez, Pete Seeger, Tom Paxton, Judy Collins, und alles was davon ausging: John Prine, Indigo Girls, Nanci Griffith usw. Ich verehre diese Leute wg. der Musik, die sie machen und wg. ihrer Fähigkeit Lieder zu schreiben, die vielen Menschen Mut machen. Ich habe Arlo's Kirche in Massachusetts besucht, und ich habe Pete Seeger noch wenige Monate bevor er starb, auf der Straße in Beacon, NY gesehen, wie er ein achtlos weggeworfenes Papiertaschentuch aufhob und in den Papierkorb warf. Ich bin mir dessen bewußt, daß viele von ihnen, wie Pete und die Weavers, unter der Kommunistenverfolgung gelitten haben. ABER: es sind auch nur Menschen und sie haben Fehler gemacht. Viele, insbesondere auch Woody Guthrie und Pete Seeger, haben in den vierziger und fünfziger Jahren, kein Wort über den Terror der Kommunisten im Ostblock, verloren. Pete hat irgendwann am Ende, als es gar nicht mehr anders ging, ein paar Sätze dazu gesagt. Meines Erachtens zu wenig und zu spät. Wenn ich die Reunion CDs der Weavers höre oder den Mitschnitt von Pete's Carnegie-Hall-Konzert, dann singe ich mit oder schnappe mir meine Gitarre und versuche mitzuschrammeln. Und doch empfinde ich es als eine unterschlagene Seite der Wahrheit, daß die blinde Gefolgschaft gegenüber dem Kommunismus, nicht kritisch betrachtet wird. Daß z.B. Woody Guthrie, aber auch Pete und die Mitglieder der Almanac Singers den deutschen Überfall auf Polen und die darauf folgende Aufteilung zwischen Deutschland und der Sowjetunion, nie thematisiert haben, aber von dem Moment als die Deutschen Rußland überfallen haben, zu Kriegsbefürwortern wurden, läßt sich kaum nachvollziehen. Auch die stalinistischen Säuberungen in den dreißiger Jahren finden in den Songs nicht statt. Was hinter dem Eisernen Vorhang nach dem zweiten Weltkrieg vor sich ging, hat ebenfalls keinen Niederschlag gefunden. In dem Begleitbuch ist viel von der amerikanischen Linken die Rede und wie mindestens drei Generationen von Folk-Musikern daraus hervorgingen und wie diese auch die Linke geprägt haben. Aber das nur zu erzählen ist meines Erachtens zu unkritisch. Für mich ist Folk-Musik keine ideologische Angelegenheit. Man tut den Songs unrecht, wenn man sie in diese Ecke schiebt. Und man wird ihren Schreibern nicht gerecht, wenn man sie blinden Gefolgsleuten einer politischen Idee degradiert. Mir fehlt dieser kritische Umgang, oder auch die Unterlassung jeder Art von Kritik an dem, was Millionen von Menschen aufgrund der kommunistischen Ideologie erleiden mußten, vollkommen. Vielleicht bin ich auch der einzige, der das so sieht, aber ich vermisse den _kritischen_ Umgang mit dem Werk Woody Guthries. Die Songs werden dadurch ja nicht schlechter. Nichtsdestotrotz: 10 Punkte für die Begleittexte und die darin enthaltenen Informationen. Die Qualität der Abmischung der Schuber-CDs ist einfach klasse. Ich habe es mir, ob des Preises, zwei mal überlegt, ob ich mir die Ausgabe wünschen soll. Ein sehr, sehr lieber Mensch hat sich meiner erbarmt, und tief in die Tasche gegriffen. Wer Folk-Musik und Americana mag, kann sich an diesen CDs kaum satt hören.


BF Presse

Historische Box!

Oldiemarkt 12/17 "Die beiden Bücher sind schon beachtlich, doch dazu kommen noch die drei CDs, die die beiden Konzerte minutiös aufzeichnen und ein Who Is Who der damaligen Folkszene bringen. Das ist eine historische Box, wie man sie selten findet."


Berthold Lotz

Grandios

Wieder einmal ein gelungenes Projekt von der Bear Family !


Bear Presse - tagesspiegel.de

Drei Akkorde und die Wahrheit

WOODY GUTHRIE LEBEN Woodrow Wilson Guthrie, geboren 1912 in Okemah, Oklahoma, gestorben am 3. Oktober 1967 in New York, gilt als wichtigster Einfluss auf die Folkmusikszene der 60er Jahre. Der Autodidakt war ungemein produktiv, allen Tragödien seines Lebens zum Trotz: Seine Schwester kam bei einem Brand um, seine Mutter wurde in die Psychiatrie eingewiesen, weil ihre Krankheit, Chorea Huntington, die auch Guthries zwei Töchter aus erster Ehe und ihn selbst befiel, nicht erkannt wurde. Sein Sohn Will Rogers kam als Teenager bei einem Unfall ums Leben. NACHLEBEN Das von seiner Tochter Nora, 67, aufgearbeitete Archiv bildet das Herzstück des 2013 eröffneten Woody Guthrie Centers in Oklahoma, das zugleich als politische und kulturelle Bühne dient. Nora Guthrie, die diverse neue Vertonungen der Texte ihres Vaters initiierte, ist CoProduzentin der gerade erschienenen Box „Woody Guthrie The Tribute Concerts" (Bear Family Records, 99,95 E). NR. 23 252 / SONNTAG, 1. OKTOBER 2017


Harald Brockmann

Excellentes Box Set

Einfach fantastisch wieviel Liebe in den Projekt steckt!!!